Der Mann, der die Stars nach Dortmund holt
Shownotes
Er hat die Telefonnummer von Dirigent Sir Simon Rattle und vielen anderen Stars in seinem Handy, hat Sting mal in einer Kneipe angequatscht und nach Dortmund eingeladen… – seit 2018 tut Raphael von Hoensbroech alles, damit wir ein attraktives Programm im Konzerthaus bekommen. Mit Moderator Markus Bauer spricht der Konzerthaus-Intendant und Geschäftsführer unter anderem über Weltstars in Dortmund, über den Erfolg des Konzerthauses und über private Geheimnisse. Hättet ihr gedacht, dass der Klassik-Experte mal in einer Metalband gespielt hat?
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00:00:00: Ach, Musik ist so reich und so viel.
00:00:03: Also das ist wirklich an Stracheln meiner Seele und meines Herzens und auch intellektuell – ich finde es einfach wunderbar dass es Musik gibt.
00:00:16: Seit der Spielzeit im Jahr zwei Tausendzehnte ist Raphael von Hunsbruch Intendant und Geschäftsführer des Dortmunder Konzerthauses.
00:00:23: Dafür hatte den Job des Geschäftsführenden Direktors des Konzertauses Berlin aufgegeben.
00:00:27: Ein Grund?
00:00:28: Dortmund ist Champions League.
00:00:30: Also das Konzert aus Dortmund, ja tatsächlich eines der besten Konzerthauser Europas.
00:00:35: Das liegt einerseits an dem fantastischen Saal und den Künstlern die hier kommen unter dem Publikum.
00:00:39: Das ist einfach wirklich ein Haus wo man sich nach Hause streckt.
00:00:44: Ein anderer Grund für Dortmund als Geschäftsführer und Intendant können er die künstlerischen Entscheidungen auch selbst verantworten?
00:00:50: Das ist natürlich solange es gut läuft, ist gut.
00:00:52: wenn's schlecht läuft dann muss ich selber meinen Kopf hinhalten aber auch in Ordnung.
00:00:56: Neben seiner Familie und seinem Glauben ist die Musik ein ganz wichtiger Teil seines Lebens, sagt der neunundvierzigjährige.
00:01:02: In diesem Podcast sprechen wir über die Liebe zur Musik darüber das Raphael von Hunzbruch mal als DJ aufgelegt und in einer Metalband Geige gespielt hat Und wir besprechen natürlich alle so rund ums Konzerthaus und die Künstler, die dort auftreten.
00:01:14: Ich bin Markus Bauer und ich mag Menschen, die Musik nicht nur lieben sondern leben
00:01:21: Mein Dortmund.
00:01:22: Herr von Hunsbruch, schön dass Sie da sind.
00:01:24: Wie oft müssen sie erklären wie Ihr Name geschrieben und ausgesprochen wird?
00:01:28: Immer!
00:01:29: Wie oft ist nicht die Frage immer...
00:01:31: Ist es jemals vorgekommen das einer auf Anhieb richtig gemacht hat?
00:01:34: Ja, die Holländer schaffen das.
00:01:35: Die schaffen
00:01:35: das?
00:01:36: Ja
00:01:36: weil dann kommt das ja her und da weiß man, dass OE gleich U ist.
00:01:40: Sind aber nicht holländischer Adel?
00:01:41: Doch, Limburgischer.
00:01:44: Und das gehört der Niederlanden?
00:01:46: Ja genau also nicht Limburg an der Lahn sondern Limburg bei Helen Aachen da in der Gegend.
00:01:50: Und was hat sie dann?
00:01:51: Es gibt ein
00:01:51: großes Kastel Hohensbruch.
00:01:53: Russwasserschloss mit Verließen, Falltüren und allerlei bösen Ecken... ...und das gehört uns aber seit ich glaube hundert-achtzig Jahren nicht mehr.
00:02:03: Aber da kommt die Familie her.
00:02:04: Ist
00:02:04: auch schade oder?
00:02:05: Ja ich glaube
00:02:06: es ist auch ganz gut so.
00:02:07: Also so einen Kasten zu unterhalten womit... Da
00:02:09: stimmt wenn man da mal einmal das Dach machen muss ne, dann ist man armen!
00:02:14: Das Dach oder den Teich aus Buggern oder was immer.
00:02:17: Ja, wenn
00:02:17: man feuchten Keller hat.
00:02:19: Wen oder was haben Sie sich zuletzt im Konzert aus angehört beziehungsweise angeguckt?
00:02:23: Ich war am vergangenen Wochenende.
00:02:25: eher vorgestanden waren die Justinbrüder da sind zwei Pianisten, die waren mit zwei Schlagzeugern da und die haben sehr, sehr geile Musik gemacht also zwei Klaviere, zwei Schlagswerke muss man wirklich sagen viel mehr als ein Schlagzeug.
00:02:37: das ist ja cool von Bartok bis Bernstein.
00:02:40: Auf wie vielen Konzerten sind sie so im Jahr?
00:02:42: Ich habe neulich mal durchgerechnet, dass ich in der Konzerte im Jahr höre.
00:02:47: Im Konzerthaus plus die Konzerten, die ich woanders höre werden das schon so an die Hundertfünfzig bis Zweihundert sein.
00:02:54: Welches Konzert haben Sie zuletzt außer Haus gehört?
00:02:57: War es auch ein klassisches Konzept?
00:02:59: Ja, ich war zur letzten Musikverein in Wien.
00:03:02: Riccardo Muti mit dem Wiener Philharmonikern Das war auch nett!
00:03:07: Aber zu Hause schöner
00:03:09: Zuhause ist schöner.
00:03:11: Lernen Sie die Künstler auch immer persönlich kennen, die im Haus sind?
00:03:14: Ja also mein Job ist ja ganz zuvor das sein Beziehungsjob.
00:03:18: ich muss in Beziehung mit der Stadt, mit dem Publikum und den Agenturen aber eben auch mit den Kürzerinnen und Künstlern halten und der schönste Moment dafür ist eigentlich nach einem Konzert mit denen essen zu gehen bei uns zum Restaurant Stravinsky.
00:03:29: da sind sie dann alle ganz begeistert von diesem wunderbaren Saal, dem tollen Publikums hier, dem schönen Konzern und da entstehen dann die nächsten Konzerte.
00:03:38: Das macht viel Spaß.
00:03:39: Wenn wir ihr Telefon reingucken würden, welches wäre der prominenteste Name den wir da finden würden?
00:03:45: Simon Rattle.
00:03:46: Also den könnten Sie direkt anrufen.
00:03:48: Ja ich brauchte schon Grund.
00:03:50: also ich ruf jetzt nicht an und sag hey Simon wie geht's?
00:03:54: Welche Künstlerin, welcher Künstler im Konzert aus hat sie besonders beeindruckt?
00:03:58: in der Zeit in der sie da sind?
00:04:00: gibt es da jemand wo sie sagen war das war so ein tolles Erlebnis diesen Menschen kennenzulernen.
00:04:04: Ich meine es werden wahrscheinlich viele Interessante sein aber gibts eine hervorsticht?
00:04:08: Auch ja tatsächlich viele, aber mich hat wahnsinnig beeindruckt eine Woche die wir gemacht haben mit der Geigerin Hilary Hahn.
00:04:16: Die ist einer der unglaublichsten Geigerinnen überhaupt und sie hat so einen weiten Blick und so ein Herz für Menschen.
00:04:24: als ich die gefragt habe unter welchem Motto wir eigentlich ihr Festival hier stellen wollen in Dortmund da hat sie mir eine Gegenfrage gestellt nämlich was habt er als größte Herausforderung in Dortmund?
00:04:36: Und daraus ist so ein wunderbares Gespräch und eine Freundschaft entstanden.
00:04:39: Und dann war sie hier, das war sensationell!
00:04:42: Was
00:04:42: haben Sie denn geantwortet auf die Frage nach der größten Herausforderung?
00:04:46: Das Thema Identität – wir haben ja doch irgendwie Kohlestahl und Bier verloren und einfach viel stolz in dieser Stadt ist damit auch ein bisschen.
00:04:55: oder hat sich neue Wege finden müssen Übergangsweise sehr stark mit dem BVB verbunden und dann hat die Stadt sicher lange gefragt, was sie eigentlich ist.
00:05:04: Und sein will.
00:05:06: das spüre ich.
00:05:07: bei herausforderung hätte man auch sagen können.
00:05:09: Die Herausforderung ist es dass umfeld des konzertauses schöner zu machen.
00:05:14: Damit können Sie ja nicht zufrieden sein.
00:05:16: schönes relativ.
00:05:18: Als das Konzert aus dahin gesetzt wurde hat man ja die menschen versäumt zu fragen die dort leben und arbeiten Was sie eigentlich als schön und gut empfinden.
00:05:28: Deshalb ist deren Blick auf das Konzerthaus schon sehr ambivalenter, weil sie das Gefühl haben da hat uns jemand was vor die Tür gepflanzt.
00:05:35: Das wollten wir gar nicht.
00:05:37: Schönheit entsteht ja also jetzt abgesehen von ästhetischer Schönheit und da kann man in Dortmund sicher auch viel drüber sprechen.
00:05:43: aber Schönheit entsteht aus Beziehungen zwischen Menschen und da ist am Anfang erst mal eher viel kaputt gegangen als aufgebaut worden.
00:05:51: Da arbeiten wir aber dran.
00:05:53: Gibt
00:05:53: ja Pläne da Rückstraßenviertel zu einem Allstadtvierteln.
00:05:58: Ja, da ist wieder das Thema, also so Gentrifizierungsthema.
00:06:02: Da kommt halt die Stadt von außen und sagt was schönes.
00:06:06: Ich will gar nicht sagen dass es falsch sei aber ich habe einfach auch mit vielen Menschen gesprochen, die dort sind und sie haben ja auch ihre Vorstellung und sind auch tolle Menschen.
00:06:16: Aber wundern sich Ihre Gäste nicht?
00:06:18: Also die Künstler in welchem Umfeld das Konzertaus steht?
00:06:22: Die kommen woanders hin und müssen erst mal durch den Schlossgarten und bei uns müssen Sie an drei Döner buden vorbei.
00:06:27: Ja, die finden das cool.
00:06:28: Also wenn hier das Latin Symphony Orchestra zu uns kommt zum Beispiel, da hatten wir jetzt vier Jahre in Residenz dann wissen sie immer schon dass es nach dem Konzert kriegen die bei uns eine Flasche Bergmann in den Hand gedrückt also Backstage und dann gehen die Döner essen.
00:06:44: Das ist ehrlich gesagt für die auch cooler als ich meine.
00:06:48: Die sind ständig in irgendwelchen wunderschönen Altbaustätten wo's sauteuer ist sich was zu Essen zu kaufen.
00:06:54: und Brückstraßen viertel ist das halt anders.
00:06:56: Aber ich will die Frage...
00:06:58: Schön, dass man das so sehen kann.
00:06:59: Ich finde es super!
00:07:00: Ja, ich finde das auch super und ich sehe das auch so.
00:07:03: Ich halte mich da auch gerne auf.
00:07:04: Ich gehe auch zu jeder Tages- und Nachtzeit durchs Brückstraßenviertel und habe da noch nie was erlebt, was sich wirklich unangenehm fand.
00:07:12: aber natürlich ist es eine sehr kulturell breite Straße, in der wir da sind positioniert sind und die wird sich auch weiter entwickeln.
00:07:22: Ich finde es auch gut, dass sie sich weiterentwickelt.
00:07:24: Also ich will auf gar keinen Fall das so bleibt!
00:07:26: Ich will nur, dass man die Menschen einbezieht.
00:07:28: Kommen wir nochmal zu den Künstlern zurück.
00:07:30: Gibt's einen Künstler, den Sie gerne noch kennenlernen würden?
00:07:32: Sting!
00:07:34: Und dem bin ich letztes Jahr tatsächlich mal begegnet und zwar zufällig.
00:07:37: Ich habe einen Workshop gegeben in Dendur in USA und nach dem Workshop sind wir in eine Kneipe gegangen.
00:07:45: Da hilft mich mit jemandem und dem vielen plötzlich beide Augen aus den Augenhöhlen.
00:07:49: Ich sagte, was ist denn da los?
00:07:50: Er sagt, hinter dir ist gerade Sting vorbeigegangen.
00:07:53: Und ich gesagt okay, den schnappen wir uns gleich.
00:07:55: und dann setzte er sich zweitisch weiter und trank jede Menge Alkohol.
00:07:58: und als er wieder aufstand bin ich zu ihm gegangen und habe ihn gesagt... Wie so
00:08:03: ein Gruppi?
00:08:03: ...
00:08:04: hab ihm gesagt hier ein Konzert aus Dortmund und ich hätte eh schon lange gewollt dass er mal nach Dortmund käme ob er das machen würde.
00:08:12: Seine Agentin stand daneben und wollte gar nicht, dass ich mit ihm spreche.
00:08:16: Und er hat natürlich sofort Ja gesagt, hat es allerdings noch nicht eingelöst.
00:08:19: also da arbeiten wir dran.
00:08:21: Die Telefonnummer haben Sie auch nie abgefragt?
00:08:23: Nein
00:08:23: die habe ich noch nicht.
00:08:24: bin an einem nächsten Tag in sein Konzert gegangen was sensationell war und vielleicht gelingt das noch.
00:08:29: aber im Moment arbeiten wir noch dran.
00:08:31: Das wäre großartig da wäre ich auch dabei.
00:08:33: Also
00:08:33: geben sich ein bisschen Mühe
00:08:35: Keine Sorge!
00:08:36: Wir sind ja
00:08:36: auch Dirigent.
00:08:37: wann haben sie zuletzt von dem Orchester gestanden?
00:08:43: Das überrascht sie jetzt.
00:08:44: Ich gebe keine Konzerte, das habe ich wirklich vor langer Zeit zum letzten Mal gemacht aber ich mache so Führungskräfte-Workshops wo ich Führungskräfte in ein echtes Orchester reinsetze.
00:08:53: und diese Analogie von wie arbeitet eine Dirigentin mit dem Orchester?
00:08:59: Sie zieht dann der Chef als Dirigenten und das Orchester sind ihre Mitarbeiter.
00:09:03: Ja, genau.
00:09:04: Und der Dirigent ist ja verantwortlich für das Ergebnis aber der Einzige, der keinen Ton von sich gibt also nicht klingt und er hatte lauter Experten sitzen die alle etwas können dass er nicht kann.
00:09:13: und da ist schon die Frage wie schafft man eigentlich Wert?
00:09:15: Darum geht es
00:09:16: Ganz.
00:09:16: interessanter Einsatz finde ich
00:09:18: Macht auch wahnsinnig viel Spaß und ist super wirkungsvoll weil die Menschen auch so emotionalisiert sind.
00:09:23: davon Musik und von dem ganzen Thema.
00:09:26: Die Analogie ist spitze.
00:09:27: Die Spielzeit geht zu Ende und die Bilanz kann sich schon jetzt sehen lassen, muss man sagen.
00:09:31: Das Konzerthaus hat nämlich ein Besucherrekord aufgestellt?
00:09:33: Ja wir haben jetzt über hunderttausend Besuchereigenveranstaltungen zum ersten Mal.
00:09:38: das ist mehr als je zuvor seit dem Eröffnungsjahr.
00:09:41: Im Eröffnisjahr waren es noch mehr.
00:09:42: da war natürlich einen Mordsrand ganz am Anfang.
00:09:46: Da waren alle neugierig, wollten Sie mal sehen?
00:09:48: Genau!
00:09:48: Und dann ebbt das ja typischerweise ab und dann sind wir wieder da.
00:09:55: Ich würde sagen, sie waren nie weg.
00:09:57: Aber über hundert Taub ist großartig und es sind nur die Eigenveranstaltungen.
00:10:01: Über die Partner-Veranstaltung kommen noch mal Hundert dazu?
00:10:05: Was war in diesem Jahr anders, dass so viele Menschen ins Konzert rausgekommen sind?
00:10:09: Ich würde das nicht auf dieses Jahr beschränken.
00:10:12: Wir haben jetzt über dreiß Prozent mehr Publikum als vor Corona.
00:10:15: Und ich glaube wir treffen wirklich eine Zeit ... Punkt.
00:10:21: Und den will ich so beschreiben, dass natürlich die Welt immer disruptiver digitaler kurzfristiger wird und es einen großen Sehnsucht danach gibt sich mit anderen Menschen gemeinsam in etwas zu begeben wo man das Handy auch mal Haus hat und auch etwas zwei Stunden lang genießen oder sich auseinandersetzen kann.
00:10:40: Sie gehen ja aus einem Konzert anders raus als aus einer Fernsehserie.
00:10:44: Danach ist man oft ein bisschen fühlt man sich so leer weiß jetzt auch nicht weiter.
00:10:49: Und das ist halt die große Kraft von Musik, wenn Sie gehen aus dem Konzerthaus raus und sind irgendwie erhoben in einer gewissen Weise.
00:10:56: Ich glaube da haben wir einfach ein Angebot dass es in dieser Zeit wichtig und gut ist.
00:11:01: Schlägt sich das auch finanziell durch?
00:11:03: Schon.
00:11:04: allerdings muss man sehen dass sie Inflation natürlich auch finanziell durchschlägt.
00:11:08: und die schlägt bei uns doppelt durch weil wir rund von der Stadtbezuschuss werden und wenn der Zuschuss stabil ist, also nicht steigt.
00:11:17: Da müssen wir jeden Inflationspunkt quasi mit den eigenen Umsätzen doppelt reinholen.
00:11:22: Also für jeden Ininflationspunkt zwei Inflationpunkte reinholten.
00:11:26: Und das ist eine Riesenherausforderung.
00:11:28: Das
00:11:29: wird nicht ewig so funktionieren.
00:11:31: Im Moment haben wir mehr Publikum auch jüngeres Publikums, auch Publikumen, dass öfter kommt.
00:11:36: Auch neues Publikom, das ist wunderbar und das brauchen wir aber auch.
00:11:43: Das Konzerthaus feiert im nächsten Jahr.
00:11:47: Es muss einiges renoviert werden, was ist da aktuell der Stand?
00:11:51: Glücklicherweise haben unsere Techniker das Haus über all die fünfzehn Jahre sehr gut in Schuss gehalten.
00:11:56: Allerdings müssten wir jetzt an paar Sachen im Foyer dran und den Boden, die Decke, die Beleuchtung usw.
00:12:02: Außerdem holen wir das Zicketing von hinten nach vorne – das ist ja gegenüber vom Apfelbrunnenplatz.
00:12:08: Dadurch möglich wird es besonders schön, weil wir Davo das Ticketing im Moment noch ist ein Community Music Space schaffen.
00:12:15: Also einen Raum wirklich für die Nachbarschaft wo wir mit Menschen aller Herkünfte und Sorten quasi Musik machen.
00:12:24: Da könnte ich hinkommen und sagen, ich kann Gitarren spielen.
00:12:26: Und dann spiele ich mit anderen Leuten zusammen.
00:12:28: oder wie muss ich mir das vorstellen?
00:12:29: Genau Sie können aber auch hinkomen und sagen Ich kann überhaupt nichts spielen.
00:12:33: Ja
00:12:33: spielt mir mal was vor!
00:12:34: Nein, ich möchte gerne Musik machen.
00:12:36: Wir sind ja so darauf konditioniert dass man etwas leisten muss.
00:12:40: Das ist das Schöne bei Community Music auch gegenüber Music Education Was ja in Deutschland gang und gäbe es.
00:12:45: In der Community music treffen sich Menschen auf Augenhöhe und wir gehen davon aus dass in jedem Menschen Kreativität und Exzellenz irgendwo, also entweder sichtbar oder auch verborgen sind und wir schaffen einen Raum wo sie dann vielleicht mit einer Okulele unter Minerassel einfach mit anderen Menschen Musik machen vertrauen aufbauen selbstbewusstsein schöpfen.
00:13:06: Also brauchen Sie jetzt nicht aber gibt ja viele Menschen die einfach solche Räume gar nicht finden und den finden sie bei uns.
00:13:13: Was muss noch gemacht werden im Konzerteaus bis nächstes Jahr?
00:13:16: Wir müssen noch eine ganze Saisonkonzerte Wir dürfen.
00:13:22: Das wird auch wirklich eine tolle Saison, freu ich mich wahnsinnig drauf.
00:13:27: Ansonsten müssen wir im Konzert aus bestimmte technische Dinge erneuern.
00:13:31: Wir müssen unsere Tonanlage austauschen, sauteuer leider aber die ist uns neulich zweimal ausgefallen an Momenten wo es gerade nicht problematisch war, aber man weiß nicht wieso und den Hersteller gibt's auch gar nicht mehr.
00:13:46: Es ist einfach... es ist blöd!
00:13:47: Das darf halt nicht passieren wenn das Konzert
00:13:50: spielt.".
00:13:51: Was war so die berühmteste Panne, die Sie miterlebt haben im Konzerthaus?
00:13:55: Künstlerin ist von der Bühne gefallen hatte plötzlich keine Stimme mehr.
00:13:59: Tatsächlich hatten wir grade letzte Woche, hatten wir plötzlich Diskulicht im Konzart völlig ungeplant weil Das System ist halt offen, wenn man zwanzig Jahre alt.
00:14:08: Da waren plötzlich diese Leuchten, die unter den Balkonen hängen, die fingen plötzlich an aber wirklich wie in der Disco zu flackern und da gibt es keinen Schalter im liende Lichtregi wo man die ausstellen kann.
00:14:19: dann ist unser Techniker ist dann oben aufs Dach gejockt und hat da buchstäblich die Stecker gezogen.
00:14:25: das hat er beim paar Minuten gedauert.
00:14:27: also da müssen sie auch noch mal ran bis zum
00:14:30: Video.
00:14:31: Na ja das ist einfach nach fünfzehn Jahren einiges doch erneuerungsbedürftig.
00:14:35: Können Sie schon was zu den Highlights im fünfundzwanzigsten Jahr sagen?
00:14:40: Nein, kann ich noch nicht.
00:14:41: Dann
00:14:41: gucken wir auf die Spielzeit, die jetzt nach den Sommerferien beginnt.
00:14:44: Was bekommt das Konzert aus Publikum hier in Dortmund zu sehen?
00:14:48: Also neben natürlich weiterspielen aller großen Reihen von großen Orchester und Chor und Jazz und unser Soundtrack Europa und Pop usw.. gibt es ein paar Highlights, Festivals und einen großen Schwerpunkt.
00:15:03: Und diesen Schwerpunkten gibt's nur nächstes Jahr also in der nächsten Saison.
00:15:06: Und zwar geht das um zweiundfünfzig Jahre USA weil ja die Unabhängigkeitserklärung jetzt am vierten Juli ihr Julium hat.
00:15:14: Und
00:15:14: dass die Frage was ist die dann noch wert?
00:15:17: Ja aber das war die Frage schon vor zweieinhalbzig Jahren weil die ja immer im Widerspruch stand zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
00:15:24: und genau Solche Widersprüche finde ich, soll man nicht wegignorieren sondern künstlerisch beleuchten und das ist genau das was wir versuchen.
00:15:35: Wie muss ich mir das vorstellen?
00:15:36: Wie kann man das musikalisch umsetzen?
00:15:38: Also zum einen feiern wir deutsche amerikanische Freundschaft Musik auch über diese Jahrhunderte entstanden ist.
00:15:48: Zum Teil sind das ja Dinge, ohne die unsere mittel-europäische Musik gar nicht denkbar wären.
00:15:53: Das ist ja die Entwicklung des Jazz und der Orchesterklang und so.
00:15:57: Es sind lauter amerikanische Dinge.
00:15:58: Und da haben wir große Klangkörper wie Jesse Lincoln Center oder Chicago Symphony oder so.
00:16:04: Und auf der anderen Seite schauen wir uns Dinge an, die in Amerika gerade unter Druck sind also Indigenous zum Beispiel oder Black oder Frauenbewegungen.
00:16:14: Und zu all diesen Dingen machen wir einzelne Konzertveranstaltungen.
00:16:18: Um das dann auch ein bisschen intellektuell abzubinden, gibt es eine große Diskussionsveranstaltung Anfang Oktober mit dem ZDF-Korrespondenten Elmar Tewissen, wo wir genau das dann wirklich diskutieren.
00:16:30: Gibt's einen Künstler auf den Sie sich besonders freuen?
00:16:33: Gregory Porter freut mich sehr drauf!
00:16:35: Der gar nicht das erste Mal da ist...
00:16:37: Der nicht das erste.
00:16:38: Sie fragen nach jemandem, der es erst einmal da ist?
00:16:40: Nein, nein, aber er war schon da!
00:16:41: Das wollte ich nur sagen, dass Leute die den schon mal gesehen haben, sich freuen können, dass er nochmal kommt.
00:16:45: Aber Chicago Symphony zum Beispiel war glaube ich auch noch ein einziges Mal bei uns und die kommen mit ihrem neuen Chefdirigenten Klaus Meckele.
00:16:52: Das wird auch großartig.
00:16:53: Simon Rattle eben erwähnt macht die Matthäus Passion leider schon ausverkauft obwohl erst im März, aber das wird auch grossartig.
00:17:01: Ich habe gelesen, dass sie mit drei violinen Spielen gelernt haben und mit sieben den Wettbewerb Jugend musiziert gewonnen haben.
00:17:07: Der Weg ins Konzerthaus war quasi grob von der Kindheit schon vorgegeben.
00:17:12: Es gibt ja den Spruch wie komme ich zu Carnegie Hall?
00:17:14: Sachte er, ich glaube Rostropowitschen cellist, sagte das in New York im Taxi-Fahrer, wie komme die raus in die ... Carnegie Hall sagte der üben üben!
00:17:23: Könnte man sagen aber ich bin gar nicht auf der Bühne.
00:17:25: und das waren bewusste Entscheidungen.
00:17:29: Dirigieren gelernt und auch überlegt, tatsächlich lange das zu machen als Hauptberuf.
00:17:34: Aber mir macht diese dramaturgische Musikmanagement Seite.
00:17:38: Da waren sich viel Spaß!
00:17:39: Sie waren acht Jahre lang Unternehmensberater bei Boston Consulting?
00:17:44: Haben sie Konzerthäuser beraten
00:17:46: oder was?
00:17:46: Eins.
00:17:47: In acht Jahren habe ich einen Konzerthaus beraten.
00:17:50: Hätte
00:17:50: mehr sein können,
00:17:51: ne?
00:17:52: Nein, nein.
00:17:53: Ich wollte ja wirklich... Ich kam hier aus der Musik und ich wollte unbedingt in der Privatwirtschaft Arbeiten und beraten und das kennenlernen.
00:18:00: Und dann hatte ich aber eben zwischendurch einmal die Chance, es war ein Pro Bono Projekt des Konzertes Berlin zu beraten... ...und da rief dann drei Jahre später der Intendant an und sagte meinen Geschäftsführer weg, das soll mir die Strategie zusammen weiter umsetzen!
00:18:12: So bin ich dann zu ihm gekommen.
00:18:15: Was hat denn denn den Ausschlag gegeben nach Dorf und Zukunft?
00:18:18: Dortmund ist Champions League.
00:18:19: Also das Konzert aus Dortmund, ja tatsächlich eines der besten Konzerthauser Europas.
00:18:24: Das liegt einerseits an dem fantastischen Saal und den Künstlern die hier kommen unter dem Publikum.
00:18:29: Das ist einfach wirklich ein Haus wo man sich nach rausstreckt.
00:18:33: Und dazu kam Berlin weil ich Geschäftsführer in Dortmund bin ich ja Intendant und Geschäftsührerin Personalunion und das ist natürlich ein Traum muss ich sagen.
00:18:43: Aber da müsst ihr auch für zwei Leute arbeiten
00:18:45: ne?
00:18:45: Ja, gut.
00:18:46: Aber gibt
00:18:46: auch für zwei Leute Geld?
00:18:48: Nee!
00:18:50: Aber was schon schön ist, dass ich die kürzerischen Entscheidungen wirtschaftlich selbst verantworten kann.
00:18:57: Das ist natürlich so lange es gut läuft das Gut.
00:18:59: wenn's schlecht läuft da muss sich auch selber meinen Kopf hinhalten.
00:19:02: aber auch in Ordnung
00:19:03: Wenn Sie keine klassische Musik hören... Was hören sie dann?
00:19:06: Kleines Geheimnis Ich hab als Student angefangen als DJ zu arbeiten und mir da eigentlich meinen Lebensunterhalt verdient.
00:19:14: Das
00:19:14: funktioniert nicht mit klassischer Musik, also nicht so gut?
00:19:17: Nichtssogut, nee das stimmt!
00:19:19: Ich bin auf hoffenweise Partys und Hochzeiten und sowas unterwegs gewesen.
00:19:24: Da habe ich mir dann... Als es dann irgendwann anfing Playlist zu geben, hab' ich mir einfach meine liebsten Hits von damals zusammengestellt Und die höre ich.
00:19:33: Also ich bin wirklich großer Fan der Und lustigerweise lieben das meine Kinder auch, also die hören meine Playlist.
00:19:41: Wie alt sind sie?
00:19:42: Die sind zwischen zwölf und einundzwanzig.
00:19:44: Und die mögen die achtziger auch vor allen Dingen oder neunziger.
00:19:47: Genau!
00:19:48: Und die lieben auch Radeon.
00:19:49: ein neunzig zwei.
00:19:50: Ach,
00:19:50: das ist schön.
00:19:50: Danke für das Kompliment.
00:19:53: So wenn ich Ihnen jetzt eine Karte schenken könnte für Harry Styles Metallica oder Helene Fischer wo würden wir hingehen?
00:20:01: Metallica?
00:20:03: da kommt zweites Geheimnis in der Schule.
00:20:06: Ich spiele Geige, haben Sie schon erwähnt.
00:20:07: In der Schule hatte ich ein Pick-up auf der Geige und wir hatten eine Heavy Metal Band in der Schule Und da habe ich mitgespielt und wir waren sogar einmal Vorgruppe von Fury in the Slaughterhouse Tatsächlich!
00:20:20: Da hab' ich dann ja Metalgeige gespielt, das war jetzt lustig.
00:20:24: Was würden sie sagen?
00:20:24: Musik bedeutet mir?
00:20:27: Streicheln meiner Seele und... Nee was...
00:20:31: Würd ihr anfangen, war doch schon mal ganz gut?
00:20:33: Ah, ich hätte beinah gesagt mein Leben.
00:20:35: aber das stimmt nicht.
00:20:36: Da ist noch die Familie, da sind die Freunde.
00:20:39: Unterglauben und so viele verschiedene Themen, die mein Leben bestimmen...
00:20:43: Wie wichtig ist Ihnen der Glaube?
00:20:45: Sehr wichtig!
00:20:46: Das ist ein Fundament meines Lebens.
00:20:48: Ohne den könnte ich nicht.
00:20:50: Das brauche ich in meinem Leben.
00:20:52: Das gebe ich nicht mehr auf.
00:20:53: Habe ich einmal aufgegeben.
00:20:54: In meinen zwanzigern war ich mal sehr agnostisch.
00:20:57: Bin so als Katholik aufgewachsen Und dann habe ich zurück zum Glauben gefunden und das ist für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil geworden.
00:21:03: Gibt Ihnen noch Kraft in Situationen, die vielleicht auch schwierig sind?
00:21:07: Ja ich weiß halt dass es nicht allein von meiner Leistung abhängt.
00:21:11: Dass sich eigentlich nicht tiefer fallen kann als in die Hände Gottes.
00:21:15: So heißt das so schön!
00:21:16: Und Musik muss man sagen ist aber ein schöner Wegbegleiter.
00:21:20: Ach Musik is so reich und so viel also... Das ist wirklich anstreichen meiner Seele und meines Herzens und auch intellektuell.
00:21:28: Ich finde das einfach Wunderbar, dass es Musik gibt.
00:21:31: Wüsste ich auch nicht wie sie eigentlich ohne Musik aushalten könnte?
00:21:35: Ne, ohne Musik geht's nicht.
00:21:36: Schöne Schlussworte.
00:21:37: Herr von Hunsbruch.
00:21:38: herzlichen Dank für das wirklich tolle Gespräch!
00:21:40: Für die Einblicke auch in ihr Leben und in ihre Gedanken und weiterhin viel Erfolg hier im Dorfbund am Konzerthaus.
00:21:46: Vielen Dank Herr Bauer!
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