Bürokratiewahnsinn ohne Ende - Handwerkspräsident fordert Kurswechsel

Shownotes

Formulare über Formulare, Nachweise über Nachweise – und wenn’s ganz dumm läuft, fehlt am Ende trotzdem das entscheidende Kästchen. Berthold Schröder ist Präsident der Dortmunder Handwerkskammer und fordert ganz klar: "Schluss mit dem Bürokratiewahnsinn!" Damit sich das Handwerk endlich wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann. Helga Kretschmer aus dem Radio 91.2-Team hat mit Berthold Schörder über unsinnige Vorschriften gesprochen und darüber, welche Veränderungen nötig sind, damit Betriebe wieder frei durchatmen können.

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00:00:00: Ich glaube man müsste einem Handwerksmeister schon zu billigen, dass er in der Lage ist auch ohne diese aufwändigen Prüfprozeduren zu erkennen ob eine Leiter noch in Ordnung ist oder nicht.

00:00:12: Mein Dortmund.

00:00:13: Deutschland leidet unter Bürokratie-Wahnsinn und er hat zahlreiche Beispiele dafür, Bertolt Schröder Präsident der Dortmunder Handwerkskammer.

00:00:20: Wir müssen unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erklären wann sie am Fahrzeug Licht einzuschalten haben nämlich dann wenns droht dunkel zu werden.

00:00:29: das ist meist so gegen Abend manchmal auch im Morgens.

00:00:32: Bertholz

00:00:32: Schröda bei mir zu Gast.

00:00:33: ich bin Hacker Kretschmar seit über dreißig Jahren Lokaljournalistin und ich zeige euch mein Dortmund.

00:00:39: schön dass ihr dabei seid.

00:00:49: Handwerkspräsident Bertolt Schröder, herzlich willkommen.

00:00:52: Ja hallo!

00:00:53: Um Sie mal kurz vorzustellen, kurze Fragen zu Ihrer Vita alter Familienstandhobbis?

00:00:58: Ich bin fünfundsechzig Jahre alt ich bin vom Beruf Zimmermeister, bin verheiratet habe drei Kinder und eine Enkelin.

00:01:06: auf dieser Stolzband.

00:01:07: Heute verdiene ich mein Geld mit

00:01:09: Immer noch als Unternehmer.

00:01:10: Ich bin Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Georg Schröder in Hamm und das ist meine Einkommensschwelle, ja.

00:01:18: Präsident der Handwerkskammer Dortmund bin ich weil ...

00:01:21: Weil ich Spaß daran habe das zu gestalten mit dem Handwerk jeden Tag zu tun hat.

00:01:27: Das Umfeld die politischen Rahmenbedingungen darauf Einfluss zu nehmen – das ist so meine größte Antriebsfehler in diesem Bereich.

00:01:34: Beschreiben Sie doch mal in zwanzig Sekunden, was Sie als Präsident der Handwerkskammer überhaupt machen.

00:01:38: Dafür brauche ich die mindestens zehn Minuten aber ich werde es einmal versuchen... Also meine Kernaufgabe ist repräsentativer Natur zum einen.

00:01:46: Ich repräzentiere das Handwerk nach außen und ich vertrete die Interessen des Handwerkes in der Politik sowohl in Berlin als auch in Düsseldorf Aber natürlich auch regional gegenüber Oberbürgermeistern dann häufig im Zusammenspiel mit den Kreishandwerksmeistern unserer Region Sitzen

00:02:02: sie da auch schonmal politischen Entscheidungsträgern am Tisch.

00:02:05: Selbstverständlich, das gehört zu meinem Tagesgeschäft.

00:02:08: Also Minister-Staatssekretäre sind da meine Gesprächspartner.

00:02:12: Okay mit Herrn Merz auch schon mal?

00:02:14: Mit Herrn Merzt war ich in der letzten Woche erst noch zusammen beim Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft in München.

00:02:19: Was haben Sie ihm denn gesagt?

00:02:21: also inwiefern kann man das Handwerk nach vorne bringen?

00:02:24: Also

00:02:25: es ist ein größerer Kreis, der dort zusammenkommt in München und es sind schon Fragen gestellt worden zur Zukunft wie wir unsere Wirtschaft neu aufstellen können.

00:02:34: Wie wir insbesondere Bürokratie zurückschneiden können.

00:02:37: das waren schon Kernthemen unserer Diskussion miteinander.

00:02:40: Und wie hat er darauf reagiert?

00:02:42: Das Gespräch ist unterdreien wie man so schön sagte.

00:02:44: Wir dürfen daraus keine Zitate nach außen tragen.

00:02:47: aber ich kann so viel sagen dass der allgemeine Eindruck war dass Herr Merz schon weiß wo der Schuh drückt in der Wirtschaft.

00:02:54: Das ist ja immerhin schon etwas, aber ich meine Bürokratieabbau das ist ja schon seit längerem Schlagwort.

00:03:00: Aber lassen Sie uns mal deutlich machen mit welchen Teil, ich sag mal ihrsinnigen Vorschriften Handwerksbetriebe zu kämpfen haben will.

00:03:07: also wenn es nicht so ernst wäre dann könnte ich teilweise auch ein bisschen darüber lachen.

00:03:11: ehrlich gesagt eines ihrer Lieblings Beispiele ist dass Leiter Prüfprotokoll was ist das denn?

00:03:17: bitte schön Herr Schulter

00:03:18: Das ist einer von den vielen Auswüchsen der Bürokratie, mit denen wir im Handwerk wirklich zu kämpfen haben.

00:03:25: Und wenn man sich die Regelungstichte, die dahinter steht hinter diesem Leiterprüfprotokoll mal anschaut dann ist das schon irrsinn genug.

00:03:31: es gibt acht unterschiedliche Regelungen, die darauf einwirken.

00:03:34: Es gibt die Normen, es gibt technische Regeln für den Arbeitsschutz Es gibt entsprechenden Regeln von den Unfallversicherern Also eine Vielzahl von Regeln, die nur auf das Thema Leiter ausgerichtet sind.

00:03:47: und der Handwerksmeister steht davor.

00:03:48: Muss sich mit allen unterschiedlichen Regeln auseinandersetzen, muss Prüfprotokolle ausfüllen.

00:03:52: Und wenn dann mal eine externe Prüfung kommt vom staatlichen Amt für Arbeitsschutz, dann interessiert merkwürdigerweise gar nicht die Leiter sondern das Prüf-Protokoll ob es korrekt ausgeführt ist.

00:04:01: also völlig egal wie die Leite aussieht Hauptsache das Protokolles in Ordnung.

00:04:05: Was prüft denn da?

00:04:06: Also ich meine...

00:04:07: Der prüfte ob das Protokoil korrekte ausgefüllt ist, ob das Prüff-Potokoll dann da ist.

00:04:11: Ja

00:04:12: und derjenige der die Leitaprüfer müssen der prüfen

00:04:14: Der guckt nach, ob keine Stufenlose sind und er dokumentiert das.

00:04:18: Es kommt ein Aufkleber auf die Leiter, wann die nächste Prüfung ansteht Und das führt mich auch zu dieser Kernaussage was an vielen Stellen Bürokratie so problematisch macht.

00:04:29: Ich glaube, man müsste einem Handwerksmeister schon zubilligen dass er in der Lage ist auch ohne diese aufwändigen Prüfprozeduren zu erkennen ob eine Leiter noch in Ordnung ist oder nicht und niemand.

00:04:39: Kein Handwerkunternehmer hat ein Interesse daran seine Gesellen und Gesellinnen mit einer kaputten Leiter auf die Baustelle zu schicken das es erst mal eine Image Frage.

00:04:47: und zum anderen besteht natürlich auch Unfallrisiko und wir alle wollen nicht kein Handwerkmeister keine Handwerkmesteren will das unsere Mitarbeiter in Gefahr geraten

00:04:56: Selbstverständlich!

00:04:57: Noch ein schönes Beispiel die jährliche Fahrunterweisung, was ist das?

00:05:01: Ja auch.

00:05:01: Das ist so eine Regelung, die greift.

00:05:04: also wir müssen unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erklären wann sie am Fahrzeug Licht einzuschalten haben nämlich dann wenns droht dunkel zu werden dass es meistso gegen Abend manchmal auch im morgens.

00:05:17: da sind alles so Unterweisungen wo man sich denkt das ist doch ne Selbstverständlichkeit dass auch unsere Mitarbeiter das wissen und isst nicht ein zu viel an Regelung sowas und Detail dann zu regeln, was wir alles machen müssen.

00:05:30: Muss man nicht an dieser Stelle auch... Also

00:05:32: das muss einmal im Jahr gemacht werden, ne?

00:05:34: Einmal

00:05:35: im Jahr musst

00:05:36: du mitarbeiten,

00:05:37: wenn es dunkel ist, Licht am Auto einschalten.

00:05:39: Es könnte

00:05:39: ja sein dass die Mitarbeiter das vergessen haben.

00:05:42: Insofern ist das eigentlich völlig absurd und das zeigt ja auch, dass es an Vertrauen fehlt.

00:05:48: An Vertrauen in die Unternehmer aber auch an Vertrauen in die Mitarbeiter, dass sie selber in der Lage sind eine Gefahr zu erkennen, wenn das Licht nicht an ist und dann das Licht einzuschalten.

00:05:57: Das ist schon wirklich ein Stück Absurdität.

00:06:00: Auf was könnte man Ihrer Meinung nach noch verzichten?

00:06:03: Also es gibt eine ganze Menge!

00:06:04: Ich nehme mal diese Bonpflicht im Bäckerhandwerk wo ja auch schon im Koalitionsvertrag niedergeschrieben ist.

00:06:10: die soll abgeschafft werden.

00:06:11: merkwürdigerweise gibt's die immer noch Und auch da ist ein schönes Beispiel dafür, dass es dann sehr unterschiedliche Interessen gibt.

00:06:18: Als das über den Ticker ging und die Bonnpflicht abgeschafft werden sollte war die erste Reaktion der deutschen Steuergewerkschaft zu sagen man würde dem Missbrauch Tür und Tor öffnen.

00:06:29: Also diese Positionierung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

00:06:32: Aber inwiefern bedeutet diese Bonnflicht denn für sie als Handwerker auch mehr Bürokratie?

00:06:37: Ding muss ausgedruckt werden.

00:06:39: Und am Ende des Tages will es ja keinen Kunde haben, ich weiß nicht wie ihnen das geht und wenn sie zum Bäcker gehen ob Sie da unbedingt Bong haben wollen wahrscheinlich eher nicht.

00:06:47: Es muss dann irgendwo entsorgt werden und der Sinn erschließt sich nicht.

00:06:51: Das kostet Geld, belastet die Umwelt und das ist so eine Kernfrage die sich nicht nur den Bäcker stellen, was soll das Ganze eigentlich?

00:07:01: Also welchen Sinn sieht man eigentlich dahinter.

00:07:05: Natürlich zielt es immer auf einige wenige schwarze Schafe ab aber ist eigentlich berechtigt eine ganze Branche unter Generalverdacht zu stellen.

00:07:12: Das sicherlich nicht!

00:07:13: Aber was könnte Ihrer Meinung nach denn noch weg?

00:07:15: also auch relativ schnell?

00:07:17: Ich glaube wir haben eine ganze Reihe von Pflichten die entfallen könnten Berichtspflichten wenn Behörden und Sozialversicherungsträger um mal ein Beispiel zu nehmen, untereinander Daten austauschen würden.

00:07:31: Das passiert nicht.

00:07:33: also wir erhalten heute eine ganze Reihe von Fragebürgen vom staatlichen Amt für Statistik wo wir dann angeben müssen wie viele Mitarbeiter wir haben, wie hoch unsere Lohnzimmer ist welche Umsätze wir fahren Alles Daten, die wir bereits an unterschiedliche Behörden, an Sozialversicherungsträger übermittelt haben.

00:07:51: Warum wird das nicht zusammengeführt?

00:07:52: An einer Stelle.

00:07:53: Warum müssen mehrfach Daten übermitteln?

00:07:55: Das ist so ein Punkt wo ich glaube da muss man auch strukturell rangehen und ich kann jetzt erkennen dass mit der Modernisierungsagenda der Bundesregierung erstmalig eine Struktur erkennbar wird wie man es denn eigentlich abstellen will, diesen Missstand dass wir immer mehrfach Daten übermitteln müssen.

00:08:12: Also sprich da tut sich schon mal was so in Berlin das die sich da Gedanken drüber machen.

00:08:16: aber wie gesagt ich meine Bürokratie Monster das war ja schon vor der Wahl war das ein Thema?

00:08:23: hat sich irgendwas denn mal so in so eine Richtung jetzt entwickelt dass man auch sie sagen hey das ist auf einem guten Weg.

00:08:30: Also ich kann die Strukturen erkennen, die jetzt deutlich auch geschaffen werden.

00:08:35: Mit dem Digitalisierungsministerium mit Carsten Bildwerger glaube ich, dass da schon jemand sitzt der das auch versteht wenn man ein solches Problem angehen muss.

00:08:44: aber es ist eben noch nichts angekommen bei den Betrieben und das trägt auch zu der schlechten Stimmung nicht nur im Handwerk sondern in der gesamten Wirtschaft weil das vor der Wahl große Versprechungen gemacht worden sind, wir jetzt noch keine Resultate sehen und deswegen die Ungeduld auch immer weiter wächst.

00:09:01: Wann ist denn jetzt endlich mal spürbar dass Bürokratie abgebaut wird?

00:09:05: Und in diesem Zusammenhang komme ich nochmal auf die Bauenpflicht.

00:09:08: Das wäre glaube ich ein Punkt also low hanging fruits wo man sehr schnell dran könnte und es einfach abschafft.

00:09:13: Sie selbst sind ja seit nineteeninundzig Geschäftsführer einer Schreinerei und Zimmerei in Hamm.

00:09:18: Wie hat sich denn der Bürokratieaufwand, seitdem es diese Firma gibt, seit dem sie die haben?

00:09:23: Wie hat er sich verändert?

00:09:24: Also das in Zahlen zu fassen fällt mir ein bisschen schwer aber der subjektive Eindruck ist schon dass hat sich vervielfacht also das was allein im Arbeitsschutz an Regulierung da ist.

00:09:36: Das hat einen Maß erreicht was fast nicht mehr darstellbar ist Gefährdungsbeurteilung, alles Dinge die für sich genommen sinnvoll sind.

00:09:45: Aber deren Umfang so groß geworden ist dass es im Handwerk fast nicht mehr abbildbar ist.

00:09:52: und dazu muss man wissen Der durchschnittliche Handwerksbetrieb hat fünf bis sechs Mitarbeiter.

00:09:56: Das macht alles der Unternehmer selber!

00:09:58: Jetzt ist mein Unternehmen deutlich größer, wir haben schon auch Strukturen und Meister, die Teile der Aufgaben dann übernehmen können.

00:10:06: aber in einem Durchschnittlichen Handwerkbetrieb macht alles den Meister oder die Meisterin.

00:10:11: also er ist sein eigener Buchhalter ist der eigene Sicherheitsbeauftragte.

00:10:18: Er ist derjenige, der für Angebote zuständig ist.

00:10:21: für die Abwicklung der einzelnen Aufträge sind Vielfalt an Aufgaben, die auf den Unternehmer einprasseln.

00:10:27: und das Punkt, wo viele Unternehmerinnen und Unternehmer sagen das macht jetzt wirklich keinen Spaß mehr.

00:10:33: Weil es einfach zu viel wird an Belastungen die dazu beitragen dass man sich nicht mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann nämlich gute Produkte zu machen um seine Kunden wirklich zufriedenzustellen dort eine gute Leistung abzuliefern weil man mit tausend anderen Dingen beschäftigt ist seine Leute zum Beispiel darin unter zu unterweisen, dass man morgens wenn es noch dunkel ist das Licht am Ort wieder anschalten sollte.

00:10:55: Was meinen Sie denn?

00:10:56: wie viel Zeit geht ungefähr dabei drauf?

00:10:58: Also da gibt's ja ganz gute Untersuchungen, wieviel Stunden pro Woche im Handwerk drauf gehen.

00:11:04: Das schwankt ein bisschen je nachdem welchen Bürokratiebegriff man da anwendet.

00:11:08: aber es sind dann für den durchschnittenden Handwerksmeister zwischen zehn und zwanzig Stunden.

00:11:12: und wenn der Woche dann von Handwerkmeister nicht nur vierzig Stunden hat sondern sechszig dann ist das mehr als ein Ärgernis eine echte Belastung.

00:11:20: wirklich auch gemeinsam alle ran und gucken, wie kriegen wir es besser hin?

00:11:24: Kann mir vorstellen.

00:11:24: Auch die Kunden ärgern sich da.

00:11:25: ne weil die warten darauf dass ein Handwerker vorbeikommt der hat keine Zeit weil gerade irgendwas abgearbeitet werden muss.

00:11:31: Das

00:11:31: ist ja der Punkt!

00:11:32: Es fehlt halt die Leistung.

00:11:34: die wird dann investieren in Zeit in solche bürokratischen Dinge wie das Leiterprüfprotokoll.

00:11:41: das fehlt an anderen Stellen nämlich Material zu bestellen für einen Kunden, der dann wieder länger warten muss weil Dinge im Liegen geblieben sind.

00:11:50: Also das hat Auswirkungen natürlich nicht nur auf den Unternehmer sondern auch die Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens tatsächlich.

00:11:57: Werden diese Protokolle werden sie denn auch regelmäßig kontrolliert?

00:12:00: Nein also es gibt keine regelmäßigen Kontrollen.

00:12:02: wenn dann macht das das staatliche Amt für Arbeitsschutz.

00:12:05: Gelegentlich gibt's auch schon mal eine Außenprüfung von der zuständigen Berufsgenossenschaft Aber in aller Regel ist es ein Papierfriedhof.

00:12:13: Das heißt, Ihre Firma wurden Sie schon mal kontrolliert?

00:12:15: Ja das staatliche Amt für Arbeitsschutz war schonmal bei uns und auch die Unfallversicherung hat schon Mal also die Berufsgesellschaft hat schon mal Kontrollen durchgeführt dass Was

00:12:26: passiert denn dann, wenn da nicht alles so richtig dokumentiert ist?

00:12:29: Wenn zum Beispiel das Leiterprotokoll fehlt, obwohl die Leiter jetzt wirklich völlig in Ordnung ist.

00:12:34: Aber das Protokoll ist was als ich da fehlt ein Kreuzchen.

00:12:38: Also es kommt immer auf die Massivität des Verstoßes an.

00:12:42: also wenn die Strukturen in Ordnungen sind und das war bei uns bei unseren Prüfungen bisher immer so.

00:12:47: aber es gibt dann immer So Dinge, die nicht vorliegen oder die nicht aktualisiert worden sind.

00:12:51: Wenn zum Beispiel ein neues Produkt eingeführt worden ist dann das Gefahrstoffregister da entsprechend vervollständig geworden.

00:13:00: Das sind so Dinge, sie bleiben im betrieblichen Alltag.

00:13:02: Das weiß auch jeder Handwerker, dass bleibt einfach mal liegen und dann ist es eben nicht vollständig.

00:13:06: Dann kriegt man Hinweis, das zu vervollziehen muss das nachweisen wieder mit einem Schreiben also in Schriftform dann an die Behörde, dass man's eben beseitigt hat.

00:13:15: Also es ist dann auch nochmal einen Aufwand das entsprechend gerade zurück.

00:13:19: Also ich kann mir gut vorstellen, dass das alles keinen Spaß macht.

00:13:22: Mir persönlich wird es auch keinen Spaß machen!

00:13:26: Allerdings kann ich mir vorstellen, als ein oder andere macht vielleicht doch Sinn?

00:13:29: Oder sind Sie jemand der sagt Bürokratie vollständig abbauen und wahrscheinlich auch nicht?

00:13:34: Also wo dran würden sie festhalten?

00:13:35: Ich glaube das wäre auch falsch.

00:13:37: also wir brauchen ja Regeln und Regel müssen auch eingehalten werden.

00:13:41: aber man hat jetzt wenn mal übergreifend argumentieren wollte schon das Gefühl dass wir einfach zu viele Regeln haben, dass wir zu wenig Freiräume haben und das sich dieses Regel dickigt ein bisschen wie Mehltau über das ganze Land gelegt hat.

00:13:55: Und wir gar nicht mehr in der Lage sind schnell effizient und vielleicht auch ein bisschen innovativ mal vorzugehen weil immer... kommen irgendwelche Regeln, Regularien die dagegen sprechen.

00:14:05: Irgendwelche Vorschriften, die etwas aufhalten und wir merken das ja auch bei der Entstandsetzung unserer Infrastruktur dass wir uns verstrickt haben in einem Regelungs-Dickicht womit gar nicht mehr in der Lage sind schnell zu bauen.

00:14:17: und ich glaube das müssen wir nicht nur für unsere Infrastruktur ändern sondern das muss man insgesamt ändern in unserem Land.

00:14:25: was bedeutet das?

00:14:26: Wir brauchen mehr mehr Verantwortungsübernahme von allen, die in diesem Wirtschaftskreis darauf beteiligt sind.

00:14:32: Das gilt natürlich auch für die öffentliche Verwaltung.

00:14:36: Ich kenne viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem öffentlichen Dienst, die sich selber über diese Regelungsdichte auch beklagen.

00:14:42: Die dann einen guten Job machen aber selber auch sagen das ist viel zu viel an Regelung und genauso auf der anderen Seite des Schreibtischs der Unternehmer, der dann verzweifelt dasteht und eigentlich nicht mehr weiß welche Anforderungen er eigentlich noch erfüllen muss.

00:14:55: also da müssen wir ran.

00:14:56: es muss mehr Entscheidungsfreiheit in den zuständigen Behörden geschaffen werden und man muss auch bereit sein den Unternehmerinnen und Unternehmern zu vertrauen in Verantwortung zu übertragen für das, was sie abliefern.

00:15:08: Nehmen wir mal das Beispiel Lebensmittelhandwerk.

00:15:10: diese enge Kontrolldichte ist da sicherlich auch sinnvoll.

00:15:14: keine Frage aber braucht es wirklich in dieser Ausprägung mit der Dokumentation bis hin zum Handwaschprotokoll?

00:15:22: muss man das wirklich haben?

00:15:23: oder können wir nicht unseren Unternehmerinnen und Unternehmern zutrauen dass die ein gutes Produkt auch abliefern wollen, niemand hat Interesse daran schlechte Produkte abzuliefern.

00:15:33: Also wenn man dann immer mit Blick auf die wenigen schwarzen Schärfe, die es dann sicherlich auch gibt in aller Härte versucht einen Kontrollsystem aufzusetzen was jegliche Dynamik erstickt dann sind wir auf dem falschen Weg und auf diesem falschen weg sind wir seit vielen Jahren.

00:15:47: Ist eigentlich in letzter Zeit etwas Neues dazu gekommen?

00:15:50: So seit einem Jahr seid der neuen Regierung

00:15:52: Also es ist ja jetzt in Berlin verabschiedet worden, das Tariftreuegesetz für Aufträge des Bundes.

00:15:58: auch das bringt wieder neue Bürokratie mit sich.

00:16:01: Das muss man wirklich so sagen.

00:16:02: ich kann das Regelungsziel durchaus auch mittragen dass man sagt wenn der Bund Aufträge erteilt möchte er gerne dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die dort unterwegs sind und diesen Auftrag ausführen tatsächlich auch nach Tarif bezahlt werden.

00:16:16: was bedeutet das aber in der Praxis?

00:16:18: Der Bund muss tatsächlich überprüfen ob der Ausführende Betrieb, das Tarifgitter für dieses Gewerk vollständig angewendet hat.

00:16:26: Sie können sich ungefähr vorstellen bei den tariflichen Strukturen in unterschiedlichsten Gewerken wie kompliziert es werden wird.

00:16:32: Es wird gerade neue Bürokratie allein für dieses Thema aufgebaut.

00:16:36: und wäre nicht ein anderer Ansatz der Richtige, nämlich zu gucken wie können wir denn insgesamt Tarifbindung stärken so voll auf betrieblicher Seite als auch bei den Arbeitnehmern.

00:16:46: Zu gucken wie kriegen wir das eigentlich besser zusammen?

00:16:49: Das ist der falsche Weg und das haben wir politisch auch sehr deutlich gemacht.

00:16:53: Ich hoffe dem Dortmunder Handwerk geht es trotzdem gut!

00:16:55: Wie ist denn da die Stimmung aktuell?

00:16:57: Naja, das Dortmunder Handwerk entwickelt sich nicht völlig anders als das deutsche Handwerk insgesamt und das Handwerk in Nordrhein-Westfalen.

00:17:05: Vom Handwerk sind im letzten Jahr keine großen Wachstumsimpulse ausgegangen.

00:17:09: Wir erwarten das auch in diesem Jahr nicht, eine der wichtigsten Branchen im Handwerk ist ja der Bau- und Baunahebereich also Bau-und Ausbaugewerbe.

00:17:18: dort erwarten wir auch keine großen Zuwächse.

00:17:21: allerdings... sehe ich der erste Hoffnungszeichen, die Anzahl der Baugenehmigung im Neubau ist doch nach oben gegangen so dass sich da zumindest ein zartes Flänzchen in der konjunkturellen Erholung zeigt.

00:17:36: In allen anderen Gewerken bleibt es natürlich schwierig.

00:17:39: das Handwerk steht sehr unter Druck angesichts hoher Lohn- und Lohnnebenkosten und das ist ein Punkt der uns wirklich Sorge macht.

00:17:45: wir sind jetzt gerade bei Hatten mal eine Grenze von vierzig Prozent, die schon lange überschritten ist.

00:17:55: Und wenn es nicht zu weiteren Reformen im Sozialversicherungssystem kommt, wandern wir Richtung fünfzig Prozent.

00:18:01: Das ist für uns im Handwerk.

00:18:02: Wir sind sehr lohnintensiv unterwegs.

00:18:05: Ist das ein Riesenproblem?

00:18:06: Denn irgendwann ist unsere Arbeitsleistung schlicht nicht mehr bezahlbar und das sehen wir schon sehr kritisch.

00:18:12: Und wir sehen auch kritisch, dass es noch gar keine echten Ansätze zur durchgreifenden Reform unserer Sozialversicherung Systeme gibt.

00:18:20: Ich hoffe mal, dass Ihre Worte auch mal da oben gehört werden.

00:18:23: Dass ich da endlich mal was tut!

00:18:25: Handwerkspräsident Bertolt Schröder, danke für den Besuch bei RadioiteinundSieZwei!

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